Die Führungsprinzipien

Die Führungsprinzipien sind die Grundlage der Mitarbeiterführung.

Da die Mitarbeiterführung eines der anspruchsvollsten und komplexesten Themen überhaupt ist, ist es mein Anspruch, es meinen Kunden so einfach wie möglich zu machen. Meiner Erfahrung nach sind Klarheit, Allgemeingültigkeit und die Flexibilität auf Sonderfälle einzugehen, entscheidend für den Lern- und Führungserfolg.

Deshalb bringe ich die Dinge gern auf den Punkt.

Meiner Erfahrung nach gibt es nur drei echte Führungsprinzipien! 

Diese echten Führungsprinzipien nenne ich „Ziel“, „Ist-Zustand“ und „Verbindung“. Im Folgenden werde ich darlegen, warum ich von genau drei Führungsprinzipen und nicht von mehr ausgehe und was der Nutzen für Sie ist, wenn Sie das ebenfalls tun.

Denn von manchen werden sogar Strategien wie beispielsweise die Konzentration, und selbst innere Haltungen, wie das Vertrauen, ebenfalls zum Führungsprinzip erklärt. Natürlich halte auch ich berechtigtes Vertrauen im Umgang mit Menschen für entscheidend. Auch von der Strategie, sich zu konzentrieren halte ich in bestimmten Situationen sehr viel.

Aber sind das Prinzipien? Sind Prinzipien, innere Haltungen und Strategien das Gleiche? 

In meiner Welt nicht. Ich gehe davon aus, dass es Vorteile bietet, die Welt differenziert zu betrachten. Für ein fundiertes Verständnis der echten Führungsprinzipien benötigen wir zunächst einige Zwischenschritte:

Wie denken Sie? 

Bei dieser Frage kann man schon mal ins Grübeln kommen ;). Lassen Sie sich Zeit. Denn gemäß meiner Erfahrung hat kaum jemand je darüber nachgedacht, woraus sein Denken besteht.

Machen wir es kurz: Sie werden, wie alle Menschen in Bildern und in Worten denken. Vielleicht zusätzlich noch in Gefühlen. Wobei ich annehme, dass die Gefühle eher eine Folge der Bilder und Worte sind. Letztere können sowohl als Monolog als auch im inneren Dialog im Kopf auftauchen.

Wenn Sie beispielsweise an einen Apfel denken wollen, brauchen Sie kein Wort dazu. Um Apfel zu denken, genügt es sich ein Bild von einem Apfel zu machen. Das ist bei allen konkreten Dingen so. Also bei allem, was man sehen oder anfassen kann. Mit anderen Worten, wenn etwas Raum einnimmt und eine Form besitzt genügt ein Bild um daran denken zu können.

Wollten Sie aber beispielsweise an „Führung“ oder „Mut“ denken, wird ein Bild nicht genügen. Sie brauchen hierzu ein Wort und eine verbale Definition. Denn „Führung“ und „Mut“ können Sie nicht sehen, weil „Führung“ ebensowenig eine räumliche Form besitzt wie „Mut“. Um an Abstraktes denken zu können, müssen Sie also auch in Worten denken können. Deshalb sagt wohl Wittgenstein: 

„Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt.“

Beachten Sie bitte, dass diese Aussage ausschließlich bei abstrakten Themen Sinn macht. Denn wenn man etwas nicht sehen, nicht anfassen kann, braucht man Worte um es zu beschreiben. Bei Konkretem braucht man zum Denken keine verbale Sprache. Hier kommt man mit Bildern zurecht. Bei Konkretem sind die Grenzen unserer Welt eben nicht die verbale Sprache. Hier ist es unsere visuelle Vorstellungskraft. 

Nachdem wir unsere Gedanken in die bildlichen und in die verbal-sprachlichen Gedanken differenziert haben, folgt ein weiterer Zwischenschritt. Dieser Zwischenschritt ist die Klärung der Frage:

Was ist überhaupt ein Prinzip?

Der Duden schreibt dazu:

  1. Regel, Richtschnur 
  2. Grundlage, Grundsatz 
  3. Gesetzmäßigkeit, Idee, die einer Sache zugrunde liegt, nach der etwas wirkt; Schema, nach dem etwas aufgebaut ist

Da mir Verständlichkeit und Praxisnähe am Herzen liegen, mache ich es so einfach wie möglich: Für mich ist ein Prinzip eine grundlegende, ohne Ausnahme geltende Gesetzmäßigkeit.

In diesem Sinne ist die Gravitation – beispielsweise die Erdanziehungskraft – ein Prinzip.

Denn sie wirkt überall auf dieser Erde und soweit wir wissen, überall im Universum.

Prinzipien, gemäß vorheriger Definition, haben keine uns bekannte Ursache. Wir können zwar beispielsweise fragen, „Warum gibt es Gravitation?“. Eine zufrieden stellende Antwort auf diese Frage hat allerdings noch niemand gefunden. Trotzdem wirkt die Schwerkraft.  

Betrachten wir das Grundprinzip unserer Welt. 

Mir ist klar, dass das Wort Grundprinzip doppelt gemoppelt ist, wenn man unter Prinzip eine „grundlegende Gesetzmäßigkeit“ versteht. Dennoch nenne ich es Grundprinzip, da es auf alles in unserer Welt, in unserem Leben wirkt. 

Wenn das, was ich hier gleich beschreiben werde, tatsächlich das Grundprinzip unserer Welt ist, muss es – ebenso wie die Gravitation –  sowohl im kleinsten Teilchen, wie auch im komplexesten Prozess und in allem was dazwischen ist, immer und überall wirksam und erkennbar sein.  

Definieren wir als kleinstes Teilchen das Atom. Hierbei ist mir durchaus bewusst, dass es keinesfalls sicher ist, dass das Atom überhaupt ein Teilchen ist. Denn bei dem klassischen Doppelspaltexperiment verhält sich so ein Atom manchmal wie eine Welle, wie eine elektromagnetische Schwingung. Das ist übrigens sogar bei einigen Molekülen so!

Ein Atom besteht, darüber ist man sich weitestgehend einig, aus einem elektrisch positiv geladenem Kern und einer, wie auch immer gearteten, negativen Hülle. Machen wir es uns einfach und sagen anstatt Hülle, eines oder mehrere den Kern „umkreisenden“ Elektronen. Wir betrachten hier, um diesen Text verständlich zu halten, das einfachste Atom, das Wasserstoffatom. In seiner „Hülle“ befindet sich nur ein Elektron. 

Was geschieht, wenn wir dieses Elektron von seinem Kern entfernen? Das Elektron hat nichts anderes im Sinn, als wieder zurück zum Kern zu gelangen!

Aber was geschieht, wenn das Elektron wieder in der Nähe seines Kerns angekommen ist? Verschmilzt es mit ihm? Nein. Es nähert sich ihm nur bis zu seiner „Umlaufbahn“. Es schafft es nie bis zum Kern vorzudringen. Denn im Atom wirkt eine Kraft, die das elektrisch negativ geladene Elektron und den positiv geladenem Kern auf Distanz halten.

Plus und Minus bleiben somit in einem Atom „getrennt“.

Uns muss klar sein, dass die gesamte uns bekannte Welt auf Atomen aufgebaut ist. Denn in allem, was nach den Atomen entstanden ist, wie das biologische Leben und unsere Gedanken, wirkt dieses Prinzip der „Trennung“, das bereits im Atom wirkt.

Für dieses „Prinzip der Trennung“ gibt es die verschiedensten Begriffe in wohl allen Sprachen dieser Welt. Wir sagen beispielsweise dazu: 

Polarität. Unsere Erde besitzt einen Nord- und einen Südpol. Die Elektrotechnik hat Plus und Minus. Die IT Null und Eins. Oder man sagt 

Dualität. Hier fällt mir die Welle-Teilchen-Dualität des Lichts oder des Atoms selbst ein. Oder wir sagen auch: 

Jedes Ding hat zwei Seiten. Und wir wissen, dass manche Dinge auch mehr als zwei Seiten haben. Oder 

alles ist relativ. Denn alles in dieser Welt bezieht sich auf irgendetwas anderes. Unser gesamtes Denken basiert auf Relationen.

Oder Yin und Yang und sicher gibt es noch ganz viele andere Begriffe, die ein und das selbe Prinzip, das „Grundprinzip unserer Welt“ ebenfalls beschreiben.

Denn es gibt immer mindestens zwei. Zwei Gegensätze oder zwei Aspekte, die einander ausschließen. So gibt es Mann und Frau, oben und unten, links und rechts, Gut und Böse, Richtig und Falsch, Krieg und Frieden, Geburt und Tod, hell und dunkel …

Wenn dieses „Grundprinzip“ immer und überall gilt, dann muss es, wie bereits erwähnt, nicht nur im kleinsten Teilchen gelten, sondern auch im größten Prozess und in allem was dazwischen existiert. 

Hierzu zwei Beispiele:

1. Was glauben Sie passiert, wenn Sie öffentlich eine Meinung äußern? Sie müssen gar nicht lange warten. Irgendjemand wird eine gegenteilige Meinung äußern!

2. Vor 1989 gab es die NATO und den Ostblock. Beide standen sich polar gegenüber. Stichwort: kalter Krieg. Dann löste sich der Ostblock auf. Damals hoffte ich noch, dass wir zukünftig in einer konfliktfreien Welt leben können. Wie naiv ich damals war. Denn sofort nachdem der eine „Pol“, der Ostblock von der Bildfläche verschwand, entstand ein neuer „Pol“: Der Terrorismus, der sich heute so gegen die „westliche Welt“ richtet, wie es damals dem Ostblock zugeschrieben wurde. Dabei fällt auf, dass sich selbst diese beiden „Pole“ in sich uneins sind. 

Wir können also modellhaft davon ausgehen, dass unsere Welt aus vielen, sehr vielen „Teilchen und Teilen“ besteht, die miteinander interagieren, sich gegenseitig beeinflussen, ausschließen, anziehen oder abstoßen. 

Etwas was tatsächlich EINS ist, was HEILIG ist, sich auf nichts bezieht, sich nicht aus Einzelteilen zusammensetzt, gibt es in unserer Welt überhaupt nicht. Alles was wir kennen, basiert auf dem Grundprinzip. Und was nicht auf ihm basiert, das kennen wir nicht.

Dass das so ist, zeigt auch die Wissenschaft der Wahrnehmung: Unsere gesamte Wahrnehmung funktioniert nur aufgrund von Unterschieden. 

Natürlich ergibt dieses einfache Grundprinzip eine hoch komplexe Gemengelage. Wir kennen das von Computern. Hier basiert alles auf Null und Eins. Aber was können wir mit Computern heute nicht alles tun! Allerdings ist die wirkliche Welt noch komplexer als das, was wir von Computern kennen. Und die Führung von Mitarbeitern ist einer der kompliziertesten Prozesse dieser komplexen Welt. Wie bereits gesagt: Führung ist eines der anspruchsvollsten und komplexesten Themen überhaupt.

Um in dieser Komplexität so etwas wie eine Orientierung, einen Überblick zu erhalten, ist es enorm hilfreich, eine einfache, Struktur gebende Strategie anzuwenden. 

Ich verwende die von Matthias Varga von Kibed. Er sagt dazu: 

Es geht um die Trennung des Vermengten und um die Einbeziehung des Ausgeschlossenen. 

Anders formuliert könnte man sagen: Wir sollten alles differenziert betrachten und das, was wir bei dieser Betrachtung bislang unberücksichtigt ließen, mit einbeziehen.

Dieser Satz gilt, weil das menschliche Gehirn es sich gern einfach macht.

Einerseits haut es gern Dinge in einen Topf, die differenziert betrachtet, vollkommen unterschiedlich sind. 

Beispiel. Manche Zeitgenossen glauben, Führung sei nur ein anderes Wort für Managen. Wenn man das glaubt, hat man ein ähnliches Problem als glaubte man, links sei nur ein anderes Wort für rechts, oder Weg sei nur ein anderes Wort für Ziel.

Andererseits schließt unser Gehirn gern Dinge aus. Das mag, wie alles andere auch, bewusst oder unbewusst geschehen. So wissen die allermeisten Menschen, mit denen ich je geredet habe, nicht das Gegenteil von Mut zu benennen. Sie kennen es einfach nicht. Es ist ihnen, wie es auch bei mir in der Vergangenheit war, einfach nicht bewusst. Sie können diesen Begriff nicht sprechen, weil sie ihn nicht denken können. Und sie können ihn nicht denken, weil sie kein Wort dafür haben. Denn der gesuchte Begriff ist in der Regel nicht im aktiven Sprachschatz unserer Gesellschaft vorhanden. Das Gegenteil von Mut heißt Demut.

Gib mir den Mut und die Kraft, die Dinge zu verändern, die ich verändern kann.

Gib mir die Demut und die Geduld, die Dinge zu ertragen, die ich nicht verändern kann.

Und gibt mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

(Die Quelle dieses Textes ist nicht wirklich bekannt. Häufig wird als Autor Reinhold Niebuhr genannt)

Mit diesen Grundlagen 

kommen wir zum Kern,

zu den echten Führungsprinzipien. Die Führungsprinzipien sind die Grundlage der Mitarbeiterführung. Deshalb müssen die Prinzipien der Führung immer und überall bei jeder Art der Führung gelten. Das zumindest, wenn es denn wirklich die „Prinzipien“ und keine Strategien der Führung, inneren Haltungen und was weiß ich noch sein sollen. 

Um Ihnen einen einfachen Zugang zu ermöglichen, lade ich Sie zu einem gedanklichen Experiment ein:

Stellen Sie sich vor, ich wäre Ihr Chef und Sie eine meiner Führungskräfte. Wir beide stehen zusammen mit unserem neuen Mitarbeiter in einem mittelgroßen Raum. Der neue Mitarbeiter ist blind und taub, aber kooperativ. Der Raum ist bis auf eine Garderobe unmöbliert. Ich gebe Ihnen den Auftrag: Bitte führen Sie den neuen Mitarbeiter.

Als kluge Führungskraft würden Sie natürlich sofort erkennen, dass meine Anweisung unvollständig ist, und mich fragen: „Wohin soll ich denn den neuen Mitarbeiter führen?“ Ich würde in unserem Beispiel antworten: „Führen Sie den neuen Mitarbeiter bitte zur Garderobe.“ 

Ihnen wird, da ich dieses Szenario so gestrickt habe, nichts anderes übrig bleiben, als zum neuen Mitarbeiter hinzugehen. Da er blind und taub, und wie Sie wissen kooperativ ist, fassen Sie ihn respektvoll an die Schulter oder an seinen Arm und führen ihn umsichtig und sicher zur Garderobe.  

An diesem einfachen Szenario können wir bereits die universell geltenden Führungsprinzipien erkennen.

Zwischenbemerkung: Wie bei allen Prinzipien gibt es – Sie haben das am „Grundprinzip“ erkennen können – die verschiedensten Begriffe für ein und die selbe Sache.

1. Sie müssen wissen, wohin Sie den oder die anderen führen wollen oder sollen. Sie sollten also das gewünschte Ergebnis kennen und es anstreben. 

Bei diesem Prinzip geht es um das „Ziel“, um das also, was erreicht werden soll.

Andere Begriffe dafür sind: Das Resultat, das, was wir erreichen wollen, der Sinn, der Zweck, die Absicht, das gewünschte Ergebnis …

Tip: Hilfreich ist es, wenn Sie das Ziel zuvor mit Ihren Mitarbeitern absprechen und ihr Einverständnis dazu einholen. Das ist übrigens recht einfach, wenn man weiß, wie es geht 😉 .

Eine Schritt für Schritt Anleitung hierzu finden Sie im zweiten Teil meines Buches „Der Urmensch im Zirkuszelt – sich selbst und andere sinnvoll führen

2. Sie sollten den anderen dort abholen wo er ist. Hierbei geht es um seine Fähigkeiten, seinen mentalen Zustand, seine Motivationslage, seinen Gesundheitszustand und einiges mehr. 

Zu diesem Prinzip sage ich „Ist-Zustand“.

Andere Begriffe dafür sind: Der Status-Quo, die Gegebenheiten, die Ausgangssituation, die Sachlage…

3. Ebenso unabdingbar, wie Punkt 1 und 2, ist eine tragfähige Verbindung zu denen, die Ihnen folgen sollen. Wenn Sie dann noch eine Ahnung davon haben, welchen Weg man gehen könnte, ist das nicht schlecht, aber nicht ganz so wichtig, denn Sie haben ja Mitarbeiter, die ebenso wie Sie, gute Ideen dafür haben könnten, wie man das Ziel am besten erreicht. Viele Wege führen nach Rom.

Zu diesem Prinzip sage ich „Verbindung“

Andere Begriffe dafür sind: Kommunikation, Beziehung, Weg, Strategie, Vorgehensweise…

Obwohl sich hinter den Begriffen „Ziel“, „Ist-Zustand“ und „Verbindung“ jeweils ein mittelgroßes Universum verbirgt, haben wir mit diesen drei Begriffen die Führungspinzipien vollständig erfasst. Mehr gibt es nicht, weniger auch nicht.

Die Führungsprinzipien sind die Grundlage der Mitarbeiterführung.

Damit wir sicher sein können, dass ich hier nicht ebenfalls Prinzipien mit Wegen / Strategien, inneren Haltungen oder mit etwas anderem verwechsle, lassen Sie es uns testen. Denn wenn die genannten drei Begriffe tatsächlich die Führungsprinzipien sind, müssen sie sich auf jede beliebige Führungssituation übertragen lassen. 

Beispiel 1: Die Wandergruppe.

Wenn Sie eine „geführte“ Wanderung unternehmen wollen, wäre es, wenn denn die Wanderung im Sinne aller Teilnehmer als erfolgreich beurteilt werden soll, unabdingbar, wenn Sie gemeinsam, oder zumindest der Wanderführer, das Ziel der Wanderung kennen würden.

Für den Erfolg ebenso unabdingbar ist, dass der Wanderführer weiß, über welche Fitness bzw. über welche Einschränkungen, welche Ausdauer, welche Ausrüstung usw. die Teilnehmer der Wandergruppe verfügen. Auch wäre es hilfreich, wenn er den Wetterbericht kennt. Er sollte also den Ist-Zustand kennen.

Läuft der Wanderführer nun vorweg und bekommt nicht mit, ob der eine oder andere seiner Wandergruppe gar nicht mehr dabei ist, weil er sich vielleicht ein Bein gebrochen hat, wären wir wahrscheinlich mit seiner Art der Führung nicht zufrieden. Der Wanderführer braucht also unbedingt eine „Verbindung“ auch zum letzten Wanderer seiner Gruppe. 

Da haben wir sie wieder, die drei Führungsprinzipien. Ziel, Ist-Zustand und Verbindung.

Beispiel 2: Das Navigationsgerät.

Wenn Sie mit Ihrem Auto unter Zuhilfenahme eines Navigationsgerätes fahren wollen, lassen Sie sich von Ihrem Navi führen. Und natürlich nutzt auch Ihr Navi die Führungsprinzipien.

Bevor Sie losfahren, geben Sie das Ziel ein. Währen Sie das tun stellt das GPS fest, wo Sie sich gerade befinden. Wenn dem Gerät Ist-Zustand und Ziel klar sind, berechnet es entsprechend der Voreinstellungen (Mautstraßen vermeiden usw.) die Verbindung.

Und da haben wir sie erneut: Die drei Führungsprinzipen. Sie sind die Grundlage der Mitarbeiterführung.

Die drei von mir 1999 entdeckten Führungsprinzipen bieten aufgrund ihrer Realitätstauglichkeit und Einfachheit handfeste Vorteile. Man kann sie überall und nicht nur in der Mitarbeiterführung nutzen.

Oder wenn z.B. der Tänzer die Tänzerin führt, weiß er zumindest unbewusst, wo er sie hinhaben will. Er holt sie genau dort ab wo sie ist und er hält stets eine für seine Zwecke dienliche Verbindung zu ihr. 

Auch der Hausmann oder die Hausfrau nutzen die drei Führungsprinzipien. Wer einen Haushalt führen will, muss wissen, wie dieser Haushalt im Optimalfall aussehen soll (Ziel). Er oder sie muss den Dreck in den Ecken und auf den Schränken ebenso erkennen, wie einen Mangel oder Überfluss an Vorräten im Kühlschrank (Ist-Zustand). Nun muss er so handeln, dass er den Ist-Zustand in den Ziel-Zustand verwandelt (Verbindung). Voilà. So geht gute Haushaltsführung ;).

Denn die Führungsprinzipien sind nicht nur die Grundlage der Mitarbeiterführung, sondern jeglicher Art von Führung.

Wenn man im Leben gerade mal nicht so gut zurecht kommt, kann man sich beispielsweise fragen: 

Was will ich eigentlich? (Ziel) 

Wo stehe ich gerade? (Ist-Zustand)

Welchen Weg kann ich einschlagen? Und auch: Zu welchen Menschen sollte ich eine tragfähige Beziehung aufbauen? (Verbindung)

Auch die Lebensführung unterliegt den gleichen Prinzipien wie jegliche andere Form der Führung.

Um in den Bereich der Mitarbeiterführung zurückzukehren. Hier kann sich die Führungskraft oder aber auch die „Geführten“ fragen: Ist das Ziel klar? Wie kennen wir den Ist-Zustand, also die Gegebenheiten vor Ort und wie tragfähig ist unsere Verbindung – sei es der Weg den wir gerade beschreiten oder aber die persönliche Beziehung zwischen Chef und Mannschaft. 

Die Antworten auf diese drei Fragen machen in der Praxis wirklich Sinn, da sie zeigen, welches Prinzip zu wenig oder gar nicht berücksichtigt worden ist und was man nun, nachdem einem das bewusst ist, besser machen kann. 

Hat man diese drei Begriffe – Ziel, Ist-Zustand und Verbindung – einmal begriffen, ist schlichtweg das Leben einfacher und das nicht nur für Mitarbeiter und Führungskräfte. Denn das Alleinstellungsmerkmal von Prinzipien ist: Sie gelten immer und überall. Ausnahmslos. 

Die Führungsprinzipien gelten dem entsprechend auch in der Politik.

Denn ein wesentlicher Teil der Politik ist Führung. Die Führung eines Landes. Die Führungsprinzipien sind ja nicht nur die Grundlage der Mitarbeiterführung.

Auf welche Antwort kämen Sie, würden Sie sich fragen: Was ist das Ziel des Landes in dem Sie leben? 

Sollten Sie in einem Land leben, in dem gar nicht miteinander beschlossen worden ist, wohin es in der Zukunft gehen soll, können Sie berechtigte Zweifel daran haben, dass das Land da ankommt, wo Sie und die Mehrheit der Bürger es in Zukunft gerne sehen wollen.

Auf welche Antwort kämen Sie, würden Sie sich fragen: Wie gut kennen die Politiker den Ist-Zustand in Ihrem Land?

Auf welche Antwort kommen Sie, würden Sie sich fragen: Wie tragfähig ist die Verbindung (Beziehung) der politischen Entscheider zu den Menschen in diesem Land?

Viel Spaß beim Nachdenken 😉

Bitte seien Sie nachdem Sie die Antworten gefunden haben, nicht allzu frustriert. Denn die „Führungsprinzipien“, so wie ich Sie Ihnen hier vorgestellt habe, kennt sicher kein einziger Politiker auf dieser Welt. Sollte er trotzdem so handeln, macht er es intuitiv. Dann ist er ein Naturtalent. So wie die Führungskräfte, bei denen ich mir einen wesentlichen Teil der von mir entwickelten Führungswerkzeuge „abgeschaut“ habe. Also: Auch Ihre Regierung gibt ihr bestes. Was Politiker nicht wissen, können sie naturgemäß nicht berücksichtigen. 

Die Führungsprinzipien sind die Grundlage der Mitarbeiterführung. Aber welcher Vorgesetzte weiß das? Welcher Vorgesetzte lebt danach? Meiner Erfahrung gibt es einige, die es intuitiv tun. Allerdings scheint es mir nur ganz, ganz wenige Naturtalente in der Mitarbeiterführung zu geben. Aber das ist natürlich nur meine Sichtweise. Eine ganz persönliche Sichtweise und keinesfalls die Wahrheit.