Was sind die Bedingungen, damit eine Gruppe zu besseren Ergebnissen kommt als Einzelne?

Diese Frage stellt sich, weil Erfahrungen zeigen, dass Gruppen eben oft nicht zu besseren Ergebnissen kommen als Individuen.

Dennoch beherbergen Gruppen das Potenzial deutlich bessere Ergebnisse liefern, als ihre Mitglieder einzeln.

Die Bedingungen für diese deutlich besseren Ergebnisse sind, dass die Gruppenmitglieder miteinander in Verbindung stehen, sich austauschen und, dass die sie gleichgestellt sind. Das erreicht man recht zuverlässig durch eine kompetente Moderation.

Denn gibt es in der Gruppe Meinungsmacher, die „zufälligerweise“ nicht für das optimale Ergebnis, sondern für ihre individuelle Perspektive stehen, und diese Haltung können Sie durchaus auch nonverbal vermitteln, ist die Chance hoch, dass ein relevanten Teil der Gruppe sich ihnen anschließt. Das geschieht umso wahrscheinlicher, je mehr sie von dem Meinungsmacher in irgendeiner Form abhängig sind, z.B. wenn es ihr Chef oder ein informeller Führer ist, oder wenn ihm gegenüber besondere Sympathien gehegt werden.

Diese Beobachtung wird von wissenschaftlichen Untersuchen gestützt.

Hier ein Auszug aus dem Artikel „Lautsprechen machen Gruppen dumm“ in Spectum.de.

Forscher um Damon Centola von der University of Pennsylvania, haben in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ ihre Studie über die Auswirkung von sozialen Netzwerken auf das Gruppendenken veröffentlicht. Die Forscher stellen damit die klassische Theorie zur „Weisheit der Vielen“ in Frage. Diese besagt, dass eine Gruppe schlauer ist als einzelne Experten, dass aber ein Meinungsaustausch zwischen den Mitgliedern einer Gruppe generell zu schlechteren Ergebnissen führt.

Centola und seine Kollegen führten eine internetbasierte Studie mit mehr als 1300 Teilnehmern durch, die beispielsweise den Preis von Gegenständen oder den Kaloriengehalt von Mahlzeiten insgesamt dreimal schätzen sollten. Eine Gruppe erhielt nach der ersten und zweiten Schätzung jeweils das Durchschnittsergebnis der gesamten Gruppe und konnte ihre Schätzung revidieren. Die Forscher stellten fest, dass sich dabei das Gruppenergebnis immer weiter an den korrekten Wert annäherte. Eine andere Gruppe konnte stattdessen nach ihrer ersten Schätzung die Schätzung eines einzelnen Mitglieds, eines so genannten Meinungsmachers, zweimal einsehen. Daraufhin näherte sich das Gruppenergebnis dem Ergebnis des Meinungsmachers an und wurde nur dann besser, wenn der Meinungsmacher zufällig nah am richtigen Ergebnis lag.

Aus Spektrum der Wissenschaft Newsletter 13. Juni 2017